Gesteine

Gesteine, von denen bekannt ist, dass sie dem vorgeschichtlichen Menschen zur Herstellung von Geräten und Werkzeugen gedient haben, werden hier charakterisiert und detailiert abgebildet.

Rohstoff Stein

Stein, vor allem harter Stein, ist der Rohstoff in der Natur, der für die Herstellung von robusten und lang nutzbaren Werkzeugen hervorragend geeignet ist. Durch seine Härte und Schärfe - nach entsprechender Zurichtung – können mit diesen weitere in der Natur vorhandene weichere organische Werkstoffe (Holz, Knochen, Geweih) bearbeitet werden, um auch aus diesen Werkstoffen Werkzeuge anzufertigen.

Unterschiedliche Gesteinsarten besitzen spezfische  Eigenschaften, die bei der Herstellung spezialisierter Steingeräte gezielt eingesetzt wurden.

Amorphe, spröde Kieselgesteine mit „glasartigem“ Bruchverhalten können – gute Kenntnisse und viel Erfahrung vorausgesetzt – gezielt so „beschlagen“ werden, dass beabsichtigte Grundformen oder Abschläge gewonnen werden. Derartige Gesteine in unserer Gegend sind Hornsteine in verschiedenen Ausprägungen (Knollen, Fladen, Platten), Quarzite, Radiolarit sowie Kieselschiefer. Diese Kieselgesteine waren Basis zur Anfertigung einer breiten Palette von Werkzeugen, die von den Archäologen Bezeichnungen erhalten haben wie Faustkeile, Schaber, Stichel, Kratzer, Bohrer, Projektilspitze  oder auch Messer und Dolch.

Felsgesteine setzen sich aus kristallinen und metamorphen Anteilen zusammen und zeigen so eine hohe Varianz bezüglich ihrer Werkstoffeigenschaften. Aus den Felsgesteinen wurde eine gezielte Auswahl getroffen. „Zäher“ Amphibolit fand Verwendung bei der Fertigung von Axtklingen und Beilklingen, wobei die Formgebung durch Schleifen erfolgte und die Geräte teilweise mit einer Bohrung versehen wurden. Die hierzu benötigten Schleifsteine und Schleifmittel wurden ebenso bewusst gewählt wie weitere Felsgesteine für die Nutzung als Mahlsteine. Ausführlichere Aufbereitung der Thematik siehe Weiner 2000.

Vorstellbar ist auch die ad-hoc-Nutzung (quasi aus dem Augenblick heraus) der allgegenwärtigen Kalkgesteine aufgrund ihrer guten Verfügbarkeit in unserer Gegend. Auch hier kommen Varianten vor, die spröde brechen und scharfe Kanten liefern (z. b. verkieselte Kalkgesteine). Jedoch sind diese möglichen Artefakte (von Menschen geschaffen) nicht oder nur mit Vorbehalten von Geofakten (durch natürliche Prozesse geschaffen) unterscheidbar, weswegen Kalkgesteine hier nicht betrachtet werden.

Rohmaterial Stein

Im unteren Altmühltal befindet sich oberhalb des Ortes Neuessing die Sesselfelsgrotte, welche über einen Zeitraum von nahezu 100.000 Jahren immer wieder von Menschengruppen besiedelt wurde. In umfangreichen Ausgrabungen über Jahrzehnte wurde eine fast 7 m hohe Abfolge von Schichten untersucht, welche durch zeitlich aufeinanderfolgende „Nutzungen“ der Höhle durch Tier, Mensch und Natur entstanden sind. Darin konnten fünf Horizonte mit Fundkomplexen identifiziert werden, von denen drei dem Mittelpaläolithikum (Mittlere Altsteinzeit) angehören und die obersten beiden in das Jungpaläolithikum (Jüngere Altsteinzeit) datieren. Das Fundmaterial der Steinartefakte einer Schicht wurde nach Rohmaterialgruppen sortiert und dahingehend untersucht, ob und welche Artefakte ursprünglich zu einem Gesteinsstück des Rohmaterials gehörten. Im Idealfall kann so rekonstruiert werden, in welchem Zustand eine Gesteinsknolle in die Höhle gebracht wurde und wie diese dort zerlegt wurde (Archäologie in Bayern 2006 S.36ff).

Da sich die Sesselfelsgrotte am westlichen Rand des „Streifgebietes“ des Verfassers befindet, stimmen die Rohmaterialien der dort gefundenen Artefakte überein mit denen, die hier beschrieben werden. Bei der Beschreibung der Steinartefakte aus den unteren, älteren Fundschichten geht Weißmüller ausführlich auf die verwendeten Rohmaterialien ein und katalogisiert diese (Weißmüller 1995 S99ff). Diese Einteilung wird in den weiteren Arbeiten zur Sesselfelsgrotte,  teilweise vereinfacht, übernommen (Böhner 2006 S6ff) und soll auch hier Grundlage sein. Eine ausführliche Übersicht zu den Rohmaterialien in Bayern mit geologischen Erklärungen wurde von Böhner erstellt (Böhner in Floss). 

Einteilung der Rohmaterialien

Zur Einteilung der Rohmaterialien werden Charakteristika verwendet, die sich dem Betrachter durch Augenscheinnahme oder Verwendung einer Lupe direkt erschließen (Form, Farbe, Struktur). Auf eine vorausgreifende Bezeichnung anhand einer möglichen Lagerstätte wie Typ Arnhofen oder Typ Baiersdorf wird verzichtet.

Die Rohmaterialien werden in diese Kategorien eingeteilt:

  • Jura-Plattenhornstein                    (JuPla)
  • Jura-Plattenhornstein gebändert  (JuPlageb)
  • Jura-Hornstein Knolle                    (JuKno)
  • Jura-Hornstein Knolle gebändert (JuKnogeb)

Plattenhornstein zeichnet sich durch eine gleichbleibende Dicke (einige Millimeter bis maximal 3 cm) über eine Fläche von einigen 10 cm und damit einhergehend planparalleler Gesteinsrinden an Ober- und Unterseite aus. Die Färbung des Inneren von zerteilten Plattenhornsteinen kann weitestgehend einheitlich sein oder verschiedene Farbabstufungen aufweisen, welche in Schichten ("Bändern") planparallel zur Gesteinsrinde verlaufen. 

Mit dem Sammelbegriff Knolle werden alle Formen zusammengefasst, die nicht als Platte erkannt werden können.

  • Kreidehornstein    (KreiHo)
  • Kreidequarzit         (KreiQua)

Während des erdgeschichtlichen Zeitabschnitts Kreide wurden verschiedenste Gesteine ausgebildet und auf den älteren Jura-Schichten abgelagert. .... von Weber noch was abschreiben.

  • Quarzitbrekzie    (QuaBrek)

--- Beschreibung aus Rutte übernehmen...

 

 

Darstellung der Rohmaterialien

Die Rohmaterialien werden anhand von Bildtafeln veranschaulicht. Darauf befindet sich das oder die Rohstücke, welche mindestens auch an einer Stelle Spuren von Bearbeitung (meist Abschlagnegative) zeigen, sowie Vergrößerungen bemerkenswerter Bereiche des Rohstücks. Die Aufnahmen der Rohstücke erfolgte mittels Flachbettscanner oder Fotokamera und die Detailaufnahmen mit Mikroskop. Abmessungen werden zum Rohstück angegeben, jedoch nicht zu den Aufnahmen mittels Mikroskops. Da sich aber diese Bereiche immer auch auf der gezeigten Seite des Rohstücks befinden, kann die entsprechende Abmessung abgeschätzt werden.

Auf den folgenden 5 Bildtafeln ist der Variantenreichtum von Plattenhornstein aus einer Fundstelle, einer neolithischen Siedlung, ersichtlich.  Diese Siedlungsfundstelle befindet sich zwischen Kelheimwinzerberg und Herrnsaal, also nördlich der Donau, etwa 40 m oberhalb Donauniveau. Westlich und südlich davon wurden Plattenkalke der Kelheimer Wanne über die letzten Jahrhunderte in Steinbrüchen abgebaut. Die gezeigten Plattenhornsteine stammen daher auch sehr wahrscheinlich aus den Plattenkalken der Kelheimer Wanne. 

Alle gezeigten Plattenhornsteine beinhalten eine Vielzahl von Mikrofossilien. Erkennbar sind vereinzelt Kieselschwammnadeln (Spiculae) und Querschnitte gebrochener Kieselschwammnadeln in der transluzenten Siliciumoxid-Matrix. Dies belegt die Herkunft dieser Silikate aus ehemaligen Kieselschwämmen, welche als Riffstrukturen die Lagunen umgeben haben, in welchen sich die Plattenkalken mit den Hornsteinlagen gebildet haben.

Die überwiegende Anzahl der genutzten Plattenhornsteine sind 10 - 16 mm dick (3 Bildtafeln).

auch dünne

 

Aber auch auf Hornsteinplatten mit Dicken weniger als 10 mm finden sich Abschlagnegative zur Herstellung von Klingen (siehe die nächsten beiden Bildtafeln). Ob damit das Rohstück nur angetestet wurde oder die resultierenden Klingen wirklich zu Werkzeugen weiter verarbeitet wurden bleibt spekulativ.

Südöstlich von Kelheim geht die geologische Einheit des fränkischen Jura in das tertiäre Hügelland über. Die Kalkgesteine des Jura sowie die mancherorts noch aufliegenden Gesteinsformationen der Kreide tauchen in die Tiefe ab und werden zunehmend durch die Sedimente überlagert, welche im Tertiär dort eingetragen wurden. Die Orte Teugn, Hausen, Einmuß und Oberschambach sind in das tertiäre Hügelland eingestreut und in deren Umgebung sind obertägig keine Anzeichen der unterliegenden Kalkgesteine mehr sichtbar.

Überraschenderweise finden sich in den Kiesschottern auf den Anhöhen zwischen Einmuß und Oberschambach, Kleingiersdorf und Sippenau sowie westlich von Hausen bis Schoissenkager deutliche Anteile an Hornsteinen, sowohl als Knollen wie auch als Platten. Diese Kiesschotter - in der Fachliteratur als Einmußer Hauptschotter bezeichnet (Weber, 1978) - zeugen von einer ehemaligen Donauschlinge um den Igelsberg bei Saal. Diese abgelagerten Einmußer Hauptschotter enthalten zu 14% Hornstein, welcher auf den Höhen um 400 m NN. dort auf den Felder aufgelesen werden kann.

  

Hinweis in eigener Sache: Ein Aufsatz zu dieser Thematik - Einmußer Hauptschotter mit Hornstein - ist aktuell bei mir in Arbeit und wird bald auf Archaeostein verfügbar sein.

 

Auf den nächsten 3 Bildtafeln werden Plattenhornsteine präsentiert, welche auf den Flächen der Einmußer Hauptschotter aufgesammelt wurden. Augenfällig ist die hohe Varianz in Farbe und Musterung der Hornsteine. Jeder aufgelesene Hornstein in diesem Gebiet, egal ob Platte oder Knolle, war entweder testweise angeschlagen oder zeigt Abschlagnegative. Jeder dieser Hornsteine wurde also in der Vergangenheit auf seine mögliche Verwendbarkeit hin getestet oder für Abschläge genutzt.

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